Johann Andre / Johann Wolfgang von Goethe
Erwin und Elmire

Ludwigsburger Schlossfestspiele
Premiere am 12. Juli 2007
Inszenierung und Ausstattung:
Andreas Geier

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Giuseppe Verdi
Rigoletto

Nationaltheater Brno
Premiere am 26. Mai 2006
Inszenierung:
Andreas Geier
Ausstattung: Martin Warth

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Johann Adolf Hasse

Die erzwungene Ehe

Kammeroper Weißenhorn
Inszenierung und Bühne: Andreas Geier
Premiere am 05. Juni 2004

“Die erzwungene Ehe” in Weißenhorn

Wo ist der Millionär?

Wie angle ich mir einen reichen Mann? Die herzhafte Antwort gab die Weißenhorner Kammeroper in Johann Adolf Hasses Intermezzo “Die erzwungene Ehe” .

Wie angle ich mir einen Millionär? Wurde in der berühmten Hollywood-Verfilmung gefragt. Eine Heirat als gesellschaftlicher Aufstieg. Junge Frau und doppelt so alter Mann. Was heute ein Dauerbrenner der Yellow-Press ist, war schon anno dazumal ein Lieblingsthema für Barockmeister. Johann Adolf Hasse ergötzte mit seinem buffonesken Intermezzo “Die erzwungene Ehe”  zwischen den einzelnen Akten ernster Opern die Gemüter. Jetzt siedelte der junge Regisseur Andreas Geier die amüsante Lovestory im Heute an. Pointen- und einfallsreich spielte er mit den Geschlechter-Klischees vom jungen Deckel auf altem Pott.

Dank der spritzigen Bravour des Klasse-Ensembles fühlte sich das Publikum im fast ausverkauften Historischen Stadttheater Weißenhorn köstlich unterhalten: ein praller, quirliger Belcanto-Spaß.

Ideal und schauspielerisch stark waren die beiden Gesangspartien mit Solisten der Staatsoper Stuttgart besetzt. Irena Bespalovaite ist eine noch junge Sopranistin. Dorilla setzte sie im Mini-Rock neben viel weiblicher und sängerischer Raffinesse ausgebufft Tricks, Lügen und Betrug bis zur bewaffneten Bedrohung ein, um Belanzone die fette Beute, zu ergattern.

Für Kammersänger Karl-Friedrich Dürr war der Balanzone eine Paraderolle. Umwerfend, wie er mit mächtigem Bass den wohlbestallten, wie wohlbeleibten Herrn in den besten Jahren gab, der eigentlich Dorillas Herrin, die während des Dreiakters aber unsichtbar blieb, als Objekt seiner Begierde im Visier hatte. Doch egal. Er verzieh, fügte sich in sein Schicksal und fragte sich gar im Duett “Ist es Liebe?”.

Eitel Sonnenschein und Premieren-Jubel beim Happy-End-Kuss.

SWP, 07.06.2004 (Christa Kanand)

Bauchfreie Zofe ein echter Hingucker

Die “Erzwungene Ehe” im Stadttheater Weißenhorn

Wenn der unsichere Liebhaber mit Päckchen überladen zur Gartenbank steuert, die hübsche Zofe ihn abwimmelt - die Gnädige ist unpässlich - und das Orchester dazu im barocken Klang gekonnt der Situation folgt, dann ist Kammeroper-Zeit in Weißenhorn. ... Die Besucher rätselten, ob die “gnädige” noch kommen und ihren Bewunderer erhören würde? Da sind Balanzone (Ks Karl-Friedrich Dürr) und seine Informantin Dorilla (Irena Bespalovaite), die im zweiten Teil auch in den Klamotten ihres Bruders zu sehen ist. Balanzone schaut die süße Dorilla an und was er sieht, entzückt ihn: schier endlos lange Beine, kurzer Mini, bauchfrei bis zum Busen, kess geschlungene Bluse - so erobert Dorilla ihren Balanzone von Minute zur Minute.

Die Aufregungen auf der Bühne lohnen sich für den Musikfreund im voll besetzten Historischen Theater. Ein heiteres musikalisches Feuerwerk wird abgeschossen. Beide Sänger sind versiert und sicher. Wobei Kammersänger Dürr in einigen Passagen seinen Heldenbariton stark zurück nehmen musste, sonst hätten die Wände womöglich gewackelt. Sein Mimenspiel war so komisch, dass es zwischen ihm und der Schönen immer mehr knisterte.

Dem Wunsch des Komponisten nach einer volkstümlich-heiteren Farce entsprachen auch die Mitglieder der Philharmonischen Kammersolisten unter Leitung von Heinrich Graf.

Natürlich spiel die Handlung im Heute, Anzug und Mini sind gefragt. Dem Text und der wunderbar überreichen Barockmusik tut das keinen Abbruch, im Gegenteil - ein echter Hingucker.

NUZ, vom 08. Juni 2004 (Heide von Preußen)




Eduard Künneke

Lady Hamilton

Theater Kiel
Premiere am 28.12.2003
Regie Lorenzo Fioroni / Andreas Geier, Bühne Norbert Ziermann

Andreas Geier inszeniert Eduard Künnekes Operette „Lady Hamilton“

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Stimmen, die laut und vergeblich ihre Rückkehr auf die Kieler Bühnen forderten. Doch ein Musical wie My Fair Lady war schon die leichteste Unterhaltung, die Ex-Operndirektorin Kirsten Harms den Besuchern bieten mochte, die sich nach den großen Operetten sehnten, die man in den letzten Jahren primär auf den Spielplänen des benachbarten Landestheaters fand.

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass es bei der Rückkehr des jahrelang vernachlässigten Genres ein wenig im Getriebe zu knacken scheint. Die verschollenen Saxofon-Stimmen für Eduard Künnekes weitgehend unbekannt gebliebene Operette Lady Hamilton von 1926 erfand man noch relativ problemlos neu; doch als der italienische Regisseur Lorenzo Fioroni mitten in der Probenarbeit krankheitsbedingt das Zepter aus der Hand geben musste, stand Opernchefin Anette Berg kurzfristig vor dem großen Problem, einen geeigneten „Einspringer“ zu finden. Die Wahl fiel auf Andreas Geier, derzeit fester Hausregisseur am Alten Schauspielhaus/Komödie im Marquart in Stuttgart, der das maritime Werk bereitwillig von seinem Vorgänger übernahm: „Ich habe Teile der Inszenierung von Herrn Fioroni beibehalten und zugleich versucht, meine eigene Lesart des Stückes zu integrieren“, so der junge Regisseur, der schon viel Erfahrungen mit Boulevard und Unterhaltungstheater sammeln konnte und in Stuttgart gerade Cole Porters Anything Goes inszenierte.„

Die Operette ist ein Genre, das heute gerne ignoriert wird. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass es wirklich sehr schwer ist, sie auf der Bühne überzeugend umzusetzen. Aber wenn eine Operette gut gemacht ist, dann steht sie nach meiner Meinung den großen Stücken des Opern-Kanons in nichts nach.“ Und in Künnekes Auseinandersetzung mit der Geschichte der englischen „Spelunken-Diva“ Amy Lyons, die als Geliebte und spätere Ehefrau des britischen Botschafters William Hamilton nach Neapel geht und nach diversen Liebes- und Intrigenspielen in den Armen des legendären Seehelden Lord Nelson landet, sieht Geier eines der Stücke des in den 20er- und 30er-Jahren neben Franz Lehár am meisten gespielten Operettenkomponisten, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind: „Der erste Akt stellt im Prinzip schon eine wunderbare, in sich geschlossene Mini-Operette dar. Aber auch im Märchen möchte man ja immer wissen, wie eigentlich das Eheleben von Schneewittchen und dem Prinzen aussieht. Und das erfährt man bei Künneke eben auch.“

Dementsprechend gibt es zwischen den Akten einen kompletten Bildwechsel in Geiers Inszenierung, in der die Geschichte ansonsten erzählt wird, „wie die Geschichte ist“. Trotzdem reichert der Regisseur seine Interpretation auch mit Jetztzeit an, wenn er den zeitlichen Bogen vom ausgehenden 18. Jahrhundert über die 50er Jahre hin zu den Comic-Welten der Gegenwart spannt, die durch Papier-Kostüme symbolisiert werden: „Die große Flächigkeit der Kostüme bietet Abstraktion und Opulenz zugleich, so dass unterschiedlichste Zuschauergruppen ihre Freude daran haben können.“ Eine Zielvorgabe, die morgen ohnehin eine der wichtigsten ist: „Die Operette soll den Menschen nach meiner Ansicht zwar schon auf, aber vor allem auch in den Arm nehmen.“


Eduard Künnekes reizvolle Operette "Lady Hamilton" an der Kieler Oper

Frech-frivole Musik aus dem Berliner Hexenkessel der Zwanziger Jahre, die Handlung nicht ohne Tiefgang, eine zumindest in weiten Teilen ironisch-frische Inszenierung: Kiels Opernintendantin Anette Berg ist ihrer alten Kölner Wirkungsstätte beim Comeback von Eduard Künnekes unterschätzter Operette "Lady Hamilton" um einige Monate voraus.

Hier wie dort kommt der Komponist so jenseits seines bekannten "Vetter aus Dingsda" zum 50. Todestag zu Ehren. "Du hast dem Herrgott Modell gestanden, als er die Frauen schuf", schwärmt der arme Kerl, geblendet und bald in die Schranken gewiesen von einer stolzen Venus, die in einer zwielichtigen Hafenkneipe offensichtlich fehl am Platze ist. Ohne dass der spanische Seeoffizier im 18. Jahrhundert schon ahnen kann, wie Recht er bis heute mehr und mehr bekommt, umreißt sein Satz doch die Signalfunktion, die diese ungewöhnliche Frau seit zwei Jahrhunderten hat. Lady Emma Hamilton, viel bedichtet und gemalt, ist eine Ikone der Emanzipationsbewegung. Sie gehört auf einen Sockel neben ihren Geliebten Lord Nelson, der auf andere Weise erfolgreiche Schlachten geschlagen hat.

Auch Eduard Künneke hat ihr ein Denkmal gesetzt. Seine auf einem Libretto von Richard Bars und Leopold Jacobson entwickelte Operette Berliner Art stellt sie ganz und gar in den Mittelpunkt. Diese musikalisch und bühnentechnisch herausgehobene Position nutzt im Kieler Opernhaus die Sängerin Marion Costa für ihr würdevoll-empfindsames Titelpartie-Porträt – stimmlich und im Spiel nie lauthals forciert, sondern elegant geschliffen und souverän. Dabei gibt sie die Amy Lyons, die sich selbst mit Intelligenz und Instinkt von der Bar-Attraktion zur Diplomaten-Gattin und zu Admiral Nelsons besserer Hälfte aufbaut, mit gutem Grund nicht als feministische Kampfhenne, sondern betont weiblich. Ob heißblütiger Verehrer wie Don Alfredo, dem der dänische Tenor Peter Lodahl bei seinen lyrischen Höhenflügen behutsam Stimme gibt, oder pflichtverkrampfter Gatte Sir William (Karl Schmid-Werter), dem der Komponist ob der diplomatisch heiklen Verwicklungen zwar nicht die Sprache, aber doch den Gesang versagt hat: Die Männer zahlen Lehrgeld.

Der Regisseur Andreas Geier hat auf Grundlage der Konzeption seines angeblich erkrankten Kollegen Lorenzo Fioroni eine überwiegend frische, mit vielen Bildzitaten und Andeutungen spielende Inszenierung ausgearbeitet, die die verbreitete Lust am Happy End mal betont, mal ironisch unterläuft. Der erste Akt der ausgewachsenen Operette kommt entsprechend – Film-Vorspann inklusive – ganz als Hollywood-Revue-Schinken daher. Kiels Ausstattungsleiter Norbert Ziermann hat dafür eine frisch getünchte, weiträumige Traumkulisse gebaut, in der die Liebenden die Sterne vom Himmel holen und Singing-in-the-rain-Tanzen können. Mühelos gelingt so und mittels der Kostüme (Sabine Blickenstorfer) die Rückblende in ein künstliches Rokoko, bevor man sich dann im mondänen Teil Neapels irgendwann im näheren Gestern des 20. Jahrhunderts wiederfindet. Dort, beim x-ten Happy End (diesmal mit Amors Pfeil!) wird beim Kostümfest der schon längst selige Lord Nelson (Jürgen Prediger) vom Sockel steigen, um Lady Hamilton für immer und ewig auf den selbigen zu helfen. Obwohl sie schon gestorben sind, leben sie noch heute. Sehr wirkungsvoll werden von der Regie nebenbei die Erzkomödianten des Ensembles in Szene gesetzt: Allen voran bestätigt Hans-Jürgen Schöpflin sein komisches Talent, macht den unfreiwillig ins heiße Neapel versetzten Londoner Befehlsempfänger Lord Percy zum köstlich genervten und dabei herzensguten und sängerisch überragend plastischen Drahtzieher der Handlung. Simon Pauly bringt als Prinz von Pisa eine Franzosen-Parodie auf den Comedy-Punkt. Und Gloriana Casero, Wettbewerbs-Stipendiatin im Kieler Ensemble, kann als Kellnerin Maria nicht nur temperamentvoll in ihrer spanischen Muttersprache schimpfen.

Auf der anderen Seite werden Operettenklischees mit wenig gebremster Puppenlustigkeit eingestreut. Clark Dunbar darf den(Kunst-?)Maler Romney eifersüchtig Amok laufen lassen; Heike Wittlieb gibt das nur bedingt emanzipierte, dafür munter singende Blondchen Kitty; Martin Fleitmann schärft das Zuhälter-Profil des Kneipenwirts; und Tom Keller bietet als Diener Jimmy Edward Slapstick mit Träne im Knopfloch.

Dass der seit längerem am Kieler Opernhaus ungenutzte Operettenmotor in der Premieren-Überspannung noch nicht hundertprozentig rund läuft, es hier noch fehlzündet und da noch wackelt, mag man weder dem eingesprungenen Regisseur noch dem Kapellmeister Simon Rekers ankreiden. Letzterer kann sich sowohl auf den choreographisch wie musikalisch anspruchsvoll geforderten Chor (Einstudierung: Jaume Miranda) wie auf die nur zu Beginn etwas hölzernen Kieler Philharmoniker verlassen, die er mit Erfolg zu einem verschlankten Unruheherd Marke "Roaring Twenties" getrimmt hat. Die re-implantierten Saxophone, die rhythmischen Anklänge an die noch junge Marke Jazz und nicht zuletzt die eingängigen und doch alles andere als konventionell gestrickten Melodien sind eine frivol-freche Künneke-Saat, die in den Folgeaufführungen noch mehr Blüten treiben kann.

Kieler Nachrichten, 30.12.03, Christian Strehk

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Leo Delibes:
Lakme

Opera Ontario, Canada

Premiere am 25.01.2003

Pressetexte folgen

Foto








Wolfgang Amadeus Mozart:
Le Nozze di Figaro

Opera Ontario at Hamilton Place, Canada

Premiere am 26.01.2002

"When an opera audience in 2002 spends intermission discussing - hotly discussing, in some cases - not the state of the economy but the fate of fictional charcters created 215 years earlier, you know something special is happening. And Opera Ontario`s production of Mozart's The Marriage of Figaro was special, indeed.

There's a show-business adage that death is easy, comedy is hard. It should be comedy is easy, opera is hard. To communicate, opera must negotiate innumerable hurdles, any of which can scuttle the success of the production – the music, the acting, the set, the costumes, the vocal performances. But on Saturday night inHamilton, just about everything worked and Figaro, one of the most complex, joyous and energetic operas in the repertoire, shone through with most of its power undiminished.

... Mozart was 30 when Figaro was premiered, and it overflows with the cleverness, genius, complexity and charm that only he was capable of pressing into musical service. Often, productions of Figaro unintenionally mute that genius and that charm. On Saturday night, we got most of it at full force."

Globe and Mail, Toronto



Seeing "The Marriage of Figaro" at Opera Ontario
was like walking into a dream.

The production is ravishingly 18th century down to the last powdered periwig. The cast, all young and handsome, play the drama for all it's worth.

I'm thinking especially of the Countess' lovely aria, "Dove Sono." "Where have they gone, those beautiful moments?" the countess wonders, thinking of her husband and how their love used to be. A few moments before, we watched her tear a cloth off a table and fling it to the ground in despair, sending a bundle of roses flying. Now, as she sings the wistful melody, she picks up the flowers one by one. Wigs, robes and palaces aside, this is sorrow as anyone who has ever had a broken heart knows it, in any century.

The cast all works together with the music to bring the drama to life. I'm not talking just the singing, which is very good. I'm talking about all the little details. The big, Masterpiece Theatre frown with which the Count greets his sad, suffering wife. The downcast eyes of the Countess as she realizes that the Count has been cheating on her again. Figaro's rough-hewn jealousy.

The production teems with slapstick. We've got people hurling themselves over walls, hiding behind curtains, donning disguises and jumping in and out of trunks. Lest all this sound too much like Laurel and Hardy, though, Opera Ontario has a million cute ways of reminding us that this is an opera for grown-ups. The Countess hits the bottle, Cherubino cops a feel wherever he can - and, speaking of feeling, Susannah gets manhandled more than any other heroine of stage or screen I have ever seen. (That soprano should demand combat pay.)

From its laughs to its heartbreak, this is an opera that's worldly and sexy and savvy, as only Mozart can be. I didn't want it to end.

Buffalo News Classical Music Critic, 30.01.2002

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Johann Strauß:
Die Fledermaus

Theater Augsburg

Premiere am 10.11.2001

Bühne: Martin Warth, Kostüme: Götz Lanzelot Fischer

"...Somit sind wir mitten in der neuen Augsburger Inszenierung der "Fledermaus", deren herausragendes Kennzeichen darin besteht, dass hier noch weniger als üblich ein Wiener Schmäh für bare Münze genommen wird, sondern wo rund um Eisenstein von A-Z alles nur Schein, geschickt eingefädeltes Theaterspiel, Inszenierung ist. Das heißt letztendlich auch: Es gibt keinen steinreichen Orlofsky; es gibt nur Falkes Gspusi, das diesen russischen Prinzen mimt. Die ganze Episode bleibt - in Konsequenz der Stückanlage - arrangiert. Nicht der Champagner, sondern Falke war an allem schuld. Sein Ränkespiel findet zudem in der Engführung der Personen statt: Nicht nur Falke und Orlofsky sind Vertraute, sondern auch das Ehepaar Eisenstein und der Justizvollzugsbeamte Frosch, der sonst seinen großen umnebelten Auftritt erst im 3. Akt hat. Wenn man also will, haben wir es in Andreas Geiers Augsburger Inszenierung mit Cliquen-Mobbing gegen Eisenstein zu tun. Das ist nicht selten erfrischend, vor allem merkt man:

Diese Fledermaus wird gepflegt, ohne dass sie deswegen gleich unter vollkommenen Naturschutz gestellt wird. Geier beschritt den silbernen Mittelweg, er läßt das Stück so spielen, wie es funktioniert, aber er erstarrt nicht in Ehrfurcht vor einer Reliquie.

Eingedenk manch anderer Tötungsvorsatzes an der Fledermaus ist Geiers Balance-Akt jedenfalls publikumsfreundlich und ein Talentbeweis.

Um so mehr als er gelegentlich auch ein bisschen Abgrund unter dem schönen Schein bloßlegt. ... Sollte Wien am Ende das Weltzentrum der Verlogenheit und Heuchelei sein?"

Augsburger Zeitung, 12.11.01

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Gaetano Donizetti:
Il Campanello

(gemeinsam mit Gioacchino Rossini: L'inganno felice)

Badisches Staatstheater Karlsruhe

Premiere am 20.10.2001

Bühne: Heinz Balthes, Kostüme Andrea Fisseler

"Enrico trägt orangefarbene Anzüge und ist äußerst ungehalten. Dass er die blonde Serafina in letzter Zeit ein wenig vernachlässigt hat, gibt der Strizzi ja zu, aber musste sie deshalb gleich diesen Streber, den Apotheker Don Annibale Pistacchio, heiraten? In der Hochzeitsnacht, so schwört sich Enrico, darf es nicht zum "Äußersten" kommen. Zu diesem Zweck und zum großen Vergnügen des Publikums wird in Donizettis turbulentem Operneinakter die titelgebende "Nachtglocke" ("Il Campanello") so lange betätigt, bis der geplagte Apotheker am frühen Morgen eine Reise nach Rom antreten muss. An seiner Stelle schlüpft Enrico zusammen mit der halben Bürgerschaft in das riesige Bett der lebenslustigen Serafina.

Mit diesem fulminanten Finale errang der buffo-erfahrene Regisseur Andreas Geier einhellige Zustimmung für eine musikalisch wie szenisch ansprechende Inszenierung von Donizettis kleinem Meisterwerk."

ka-news Nachrichtenmagazin für Karlsruhe

"Die Bühne von "Il Campanello" scheint auf den ersten Blick eine von unten nach oben schräg ansteigende Guckkastenbühne darzustellen, über die bei der Hochzeitsfeier von Don Annibale und Serafina kurz der Vorhang fällt, kann aber auch als das überdimensional große Ehebett des frisch gebackenen Apotheker-Ehepaares gedeutet werden, dessen Kopfteile die Medikamentenregale zieren. In diesem Ambiente spielt die heitere Geschichte um den Mißbrauch des apothekerischen Berufsethos. Ein Apotheker konnte mancherorts ins Gefängnis wandern, wenn er nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit war, seine kranken Kunden mit Medizin zu versorgen – ein Umstand, der von Serafinas ehemaligen Liebhaber Enrico schamlos ausgenutzt wird. Um Don Annibale die Hochzeitsnacht zu verderben, taucht er die ganze Nacht über in immer neuen Verkleidungen in der Apotheke auf, um sich Medizin zu holen.

Klar, daß ein begabter Regisseur hier voll in seinem Element ist. Geier gelang eine funkensprühende Produktion voller Situationskomik. Köstlich sind Enricos erotische Annäherungen an Serafina, die er immer noch begehrt. Augenzwinkernd bezieht der Regisseur die Leute vor und neben der Bühne ins Spiel mit ein."

Der neue Merker, Wien

"Die Stunde der Komödianten"

Die beiden Einakter boten zwei jungen Karlsruher Hausregisseuren, Carl Philip von Maldeghem und Andreas Geier, die Gelegenheit sich zu profilieren. Beide nahmen ihre Chance wahr und stellten beschwingte, pointenreich witzige Inszenierungen auf die Bühne, bei viel komödiantischem Elan. Für den "Campanello" arrangierte Geier ein aufgekratztes, grell-buntes, stellenweise deftiges Spektakel."

OPERNWELT

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Rimski-Korsakow:
Mozart und Salieri

Weißenhorner Kammeroper

Premiere am 15.06.2001

Bühne: Andreas Geier, Kostüme: Andrea Fisseler

"Ovationen für die ehrgeizige Neuinszenierung
der Weißenhorner Kammeroper.

Salieri sitzt in seinem Musikzimmer: ein alter Mann, zum Weiterleben verurteilt, gefesselt an den Rollstuhl. Depressive Selbstzweifel und Erinnerungen. Begegnungen mit Mozart werden szenisch nochmals durchlebt. Salieris freundschaftliche Bewunderung für den Superstar im Rokoko-Chic (Kostüme: Andrea Fisseler), der in Konzertarien Kostproben seiner Erfolge gibt, schlägt in Neid und Hass um. Als die Rückblende 1791 schreibt, spricht Mozart über sein "Requiem" und über Todesahnungen, mit seinem Mörder. Salieri mixt Gift in den Wein, ernennt sich zum Schutzpatron der musikalischen Mittelmäßigkeit.

Abseits routinierter Trampelpfade sorgte Andreas Geier, ein junger Regisseur vom Staatstheater Karlsruhe, mit dem Kunstgriff der Verflechtung der Oper mit Szenen aus Peter Schaffers Theaterstück "Amadeus" für Spannung."

Südwestpresse, 18.06.01

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Gaetano Donizetti:
"Sitten und Unsitten am Theater"

Badisches Staatstheater Karlsruhe

Premiere am 21.10.01

Bühne: Heinz Balthes, Kostüme: Doris Hersmann

"Mal ehrlich: Wann haben Sie zuletzt Tränen gelacht im Theater? Zumal im Musiktheater? Ja, sicher, es wird sie geben, denen Andreas Geiers Inszenierung von Donizettis turbulenter Kurzoper "Sitten und Unsitten am Theater" das Gewölk des Unmuts über der gerunzelten Stirn aufquellen lässt und die keine Mine verziehen angesichts des überschäumenden Klamauks, der da auf der Bühne des Kleinen Hauses in Karlsruhe stattfindet. Aber es gehört schon ein reichlich düsteres Gemüt und eine ansehnliche Portion Gesichtsakrobatik dazu, sich nicht doch irgendwann im lauf der gut zwei Stunden mitziehen zu lassen vom Gelächter des Publikums über diesen hinreißenden Quatsch, den der Regisseur und sein Team, aber auch das ganze Ensemble mit Hingabe produzieren."

Pforzheimer Zeitung, 23.10.00


"Donizettis Stück besitzt eine rasante Eigendynamik. Regisseur Andreas Geier dreht da noch kräftig mit und baut jede Menge Gags ein. Im Umgang mit Details und in Szenen mit dem kleinen Herrenchor von der Musikhochschule zeigt sich seine hohe Begabung. Erfreulicherweise nutzt er auch Möglichkeiten zum Innehalten, und zwar mit der alten Tradition, Arien des Komponisten aus anderen Opern einzubauen: So kommt der treue Inspizient zu der Ehre die berühmte Tenorarie "Una furtiva lagrima" aus dem Liebestrank zu singen, was er mit edler Schlichtheit tut - eine entrückte Szene, ein Traum."

Badisches Tagblatt, 23.10.2000


"Nach zwei Stunden Klamauk bejubelte das Publikum am Samstagabend im Badischen Staatstheater die Aufführung eines Werkes aus der Opern-Raritätenkiste. "Sitten und Unsitten am Theater", komische Oper von Gaetano Donizetti, erwies sich als musikalisches Gagfeuerwerk, das auch 170 Jahre nach der Uraufführung noch zündet. Das Ganze ist von erstaunlicher Aktualität. Regisseur Andreas Geier und die Ausstatter Heinz Balthes und Doris Hersmann haben die Handlung ins Jahr 1954 verlegt. Vor der Aufführung verfolgen die Darsteller im Nierentisch-Ambiente das Endspiel der Fußball-WM in Bern und sie tun das einzig richtige: Sie schießen eine Fülle von Gags ab, sie scheuen vor keinem Kalauer zurück, sie greifen zur Not auch in die unterste Schublade. Die Sängerdarsteller dürfen dem Affen Zucker geben. Und sie tun dies mit sichtbarem Spaß an der Sache. So viele Lacher in einer Belcanto-Oper, das erlebt man selten."

dpa, Basisdienst, 22.10.00


"Das Badische Staatstheater hat mit der Neuinszenierung des damals schnell vergessenen, erst nach seiner Wiederentdeckung 1963 in bearbeiteter Form als "Viva la mamma" bekannt gewordenen, Stücks einen regelrechten Treffer gelandet. Gespielt wird die ursprüngliche Fassung. Die mit viel Wortwitz angereicherten Texte des Probengeschehens werden in deutscher, die Arien sowie die Passagen des Stücks im Stück "Romeo ed Ersilia" in italienischer Sprache gesungen.

Dem jungen Regie-Debütanten Andreas Geier ist eine funkensprühende Inszenierung gelungen, in die der Zuschauer mit einbezogen wird; ein regelrechtes Meisterwerk."

Der neue Merker, Wien, Dez. 2000


"Andreas Geier steuerte eine beschwingte, einfallsreiche, ironisch-selbstironische Inszenierung mit komödiantischen Spielwitz bei, zu der Heinz Balthes" Bühnenbild mit einer römischen Stadtansicht, antikisierenden Bildern und Statuen und einer Unzahl an der Stange hängenden Kostüme eine sehr angemessene szenische Umgebung bildete."

Opernwelt, Dez. 2000